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Energetische Fassadensanierung: Unterschiedliche Konzepte und ihre Vor- und Nachteile

Bei vielen Altbauten besteht heute umfassender Sanierungsbedarf, um den Wärmeschutz an die aktuellen Anforderungen anzupassen. Für die Sanierung der Fassade, die den größten Teil der Gebäudehülle ausmacht, gibt es unterschiedliche Systeme. Jedes hat verschiedene Vor- und Nachteile und ist für unterschiedliche Wandaufbauten ideal.

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Es gibt mehrere Möglichkeiten, eine Fassade beziehungweise Außenwand aufzubauen. Im Baubestand findet man folgende Varianten:

  • Massive, einschalige Wandkonstruktionen
  • Massive zweischalige Wandkonstruktionen mit und ohne Kerndämmung
  • Massive Wandkonstruktionen mit Vorhangfassade
  • Ausgefachtes Mauerwerk im Fachwerk

Unterschieden wird weiterhin zwischen Warm- und Kaltfassaden. Warmfassaden sind einschalig und übernehmen zwei Funktionen gleichzeitig, nämlich den Raumabschluss und die Trennung von Innen- und Außenraum. Zu den Warmfassaden zählen Putzfassaden und Wärmedämmverbundsysteme. Sind wärmedämmende Schicht und Wetterschutzschicht durch eine Luftschicht getrennt, dann liegt eine Kaltfassade vor. Dies ist bei der Vorhangfassade der Fall.

Wann ist Fassadendämmung Pflicht?

Beim Altbau wird die Fassadendämmung dann zur Pflicht, wenn im Rahmen einer Sanierung größere Arbeiten und Veränderungen an der Fassade anstehen. Die EnEV nennt als Grenzwert 10%. Wird mehr als 10% der gesamten Außenfläche renoviert, wird also die sogenannte Bagatellgrenze überschritten, dann müssen die Richtlinien der Energieeinsparverordnung an die Dämmung eingehalten werden. Geregelt ist dies im §9, Gebäudebestand, die Höchstwerte sind in der Anlage 3 „Anforderung bei Änderung von Außenbauteilen und bei Errichtung kleiner Gebäude“, Tabelle 1, Zeile 1 zu finden.

Fassadendämmsysteme in der Sanierung

Muss eine Fassade im Rahmen der energetischen Sanierung nachträglich gedämmt werden, werden hauptsächlich folgende Dämmsysteme eingesetzt:

Wärmedämmverbundsysteme (WDVS)

Wärmedämmverbundsysteme werden bereits seit 40 Jahren eingesetzt, um Außenwände zu dämmen. Ältere Systeme erfüllen heute nicht mehr die vorgeschriebenen Werte hinsichtlich Dämmstoffdicke und Wärmeleitfähigkeit. Werden Fassaden mit WDVS saniert, dann bietet die Aufdoppelung eine kostengünstige Möglichkeit, die energetischen Werte zu verbessern. Vorteilhaft ist dabei, dass die alte Dämmfassade nicht entsorgt werden muss, selbst der vorhandene Putz kann erhalten bleiben. Lediglich abblätternde Stellen müssen ausgebessert werden.

Um das neue WDVS sicher und kraftschlüssig montieren zu können, muss die vorhandene Fassade überprüft werden. Dazu wird die Konstruktion an einer Stelle geöffnet, je nach der ermittelten Tragfähigkeit werden die neuen Dämmplatten aufgeklebt oder aufgedübelt. Bei der Montage der neuen Platten ist auf stoßversetztes Verlegen zu achten, Nut- und Federsysteme, wie sie einige Hersteller anbieten, machen diese Vorsichtsmaßnahme überflüssig. Das alte Verlegemuster muss nicht ermittelt werden. Alle Anschlusselemente sind im Rahmen der Aufdoppelung anzupassen. Verschiedene Hersteller verfügen über bauaufsichtliche Zulassungen für diese Form der energetischen Fassadensanierung.

Ein großer Vorteil der Aufdoppelung des WDVS ist, dass mögliche Schadensbilder und Wärmebrücken ganz automatisch und ohne zusätzlichen Aufwand gleich mitsaniert sind. Liegt beim Aufdämmen die Dämmstoffdicke über einer Stärke von 10cm, sind im Sturzbereich des Altsystems Brandbarrieren erforderlich.

Wärmedämmverbundsysteme sind auch für den Einbau auf einschaligem Mauerwerk geeignet. Der Wärmeschutz verbessert sich dadurch maßgeblich. Nachteile dieser Sanierungsform: In einigen Fällen können durch die Verstärkung der Außenwände die zulässigen Abstandsflächen unterschritten werden, ungeeignet ist die WDVS Sanierung dann, wenn die Außenfassade erhalten bleiben soll. Bei stark gegliederten Fassaden ist die Montage der Dämmung sehr aufwendig.

Zu beachten ist weiterhin: Alle Elemente des Wärmedämmverbundsystems müssen aufeinander abgestimmt sein. Die Kombination von Einzelkomponenten verschiedener Hersteller ist nicht erlaubt.

Einblasdämmung für zweischalige Wände

Zweischaliges Mauerwerk mit zwischenliegender Luftschicht kann mit Hilfe einer Einblasdämmung als Kerndämmung nachträglich gedämmt werden. Bevor die Sanierung beginnt, muss der Aufbau der Wand überprüft werden. Durch kleine Kernbohrungen im Sichtmauerwerk werden Endoskop und Zollstock geführt. Dadurch wird der Zustand im Inneren des Mauerwerks wie auch die Dicke der Luftschicht ermittelt. Unter Verwendung eines Blower Door Test und einem Nebelgenerator lässt sich feststellen, ob das Mauerwerk auf beiden Seiten dicht ist, bzw. wo Leckagen bestehen.

Pro Geschoss und Wand ist die Anlage mehrerer Einblasöffnungen erforderlich. Für eine bessere Verteilung der Dämmung sind zusätzliche Bohrlöcher unterhalb der Fenster wichtig. Mit einer Einblasmaschine und mittels eines Schlauchs wird die Dämmung eingeblasen, durch Druck wird eine hohlraumfreie Verdichtung und damit eine gute Wärmedämmung ohne Wärmebrücken erreicht. Nach dem Einblasen werden die Bohrlöcher verschlossen. Als Einblasdämmung kommen folgende Materialien in Frage:

  • Polystyrol
  • EPS
  • Steinwolle
  • Perlite

Das verwendete Granulat muss möglichst feinkörnig sein, geeignet sind nur Dämmstoffe mit hydrophoben (wasserabweisenden) Eigenschaften.

Die Wirksamkeit beim richtigen Einbau verdeutlicht folgende Beispielrechnung: Bei einer Wandkonstruktion mit 24cm tragendes Mauerwerk, 10cm Luftschicht und 12,5cm Verblendmauerwerk kann durch das Einblasen von EPS-Granulat der U-Wert der Außenwand von 1,058 auf 0,263 W/m²K reduziert werden. Großer Vorteil dieser Methode: Die Fassade selbst wird dabei nicht verändert, es geht kein Wohnraum verloren und die Abstandsflächen verändern sich nicht. Das Einblasverfahren ist leicht durchzuführen, kostengünstig und wirksam. Als nachteilig erweist sich die Einblasdämmung vor allem dann, wenn später Wanddurchbrüche oder Arbeiten am Mauerwerk nötig sind, das freie Dämmgranulat rieselt dann aus der Wand. Kommt Feuchtigkeit in die Wand, trocknet diese schwer wieder aus, Wärmebrücken im zweischaligen Mauerwerk werden mit der Einblasdämmung in den Mauerkern nicht kontrolliert beseitigt.

Vorgehängte Fassade

Bei der energetischen Fassadensanierung geht es darum, den Wärmeschutz der Außenwand zu verbessern. Dies kann auch durch eine vorgehängte Fassade geschehen. Die hinterlüftete Vorhangfassade besteht aus Dämmung, Unterkonstruktion, Hinterlüftung und Außenverkleidung. Die Fassadendämmplatten werden in der erforderlichen Stärke an der Außenseite der tragfähigen Außenwand zwischen der vorher angebrachten Unterkonstruktion befestigt. Diese ist zweilagig auszuführen, so dass eine Belüftungsschicht entsteht, die Feuchtigkeit zwischen Dämmung und Fassadenelementen abtrocknen lässt. Damit die Dämmschicht nicht von kalter Luft hinterströmt werden kann, ist eine luftdichte Ausführung nötig.

Geeignet sind verschiedene Dämmstoffe wie Mineralwolle des Anwendungstyps WAB nach DIN 4108-10. Als Fassadenbekleidung kommen verschiedene Materialien in Frage, so zum Beispiel Holzlatten oder Holzschindeln, Schieferplatten, keramische Platten oder Aluminiumplatten. Es ist nicht erlaubt beliebige Materialien zu mischen. Bekleidung, Unterkonstruktion und Befestigung müssen der DIN 18516, Standsicherheitsnachweis entsprechen.

Besonders wichtig bei der Vorhangfassade ist die sorgfältige und luftdichte Ausführung der Anschlüsse, um Wärmebrücken zu vermeiden. Besondere Aufmerksamkeit benötigen die Fenster- und Türlaibungen, das Kellerdeckenauflager und der Anschluss an das Dach.

Mit einer vorgehängten Fassade ergeben sich ganz neue Gestaltungsmöglichkeiten für die Gebäudehülle, die thermische Trennung von Wetterschutz und Wärmedämmung wirkt sich hier sehr vorteilhaft aus. Demgegenüber stehen die hohen Kosten, die anspruchsvolle Ausführung und die Vielzahl von Fehlerquellen, die den späteren Wärmeschutz beeinträchtigen können. 

Innendämmung

In manchen Fällen ist die Außendämmung nicht möglich. Dies ist immer dann der Fall, wenn die Fassade erhalten bleiben muss (zum Beispiel im Denkmalschutz) oder wenn bei einer Außendämmung die Abstandsflächen unterschritten würden. Dann ist die Innendämmung die Lösung. Hierfür gibt es eine Vielzahl von Systemen, die sich in drei große Gruppen teilen lassen:

Kapillaraktive Innendämmsysteme

Kapillaraktive Innendämmsysteme kommen ohne Dampfbremse oder Dampfsperre aus. Die Kapillaren im Dämmstoff regulieren die Feuchtigkeit. Voraussetzung dafür, dass dieses Prinzip funktioniert, ist die die vollflächige Verklebung der Dämmplatten mit der Wandoberfläche. Verwendet werden können Kalziumsilikatplatten, die allerdings ein vergleichsweise geringes Wärmedämmvermögen besitzen (Wärmeleitfähigkeit 0,065 bis 0,1 W/mK) oder Dämmschäume. Diese dämmen zwar besser, dafür ist der Kapillareffekt weniger ausgeprägt.

Diffusionsoffene Innendämmsysteme

Diffusionsoffene Innendämmsysteme funktionieren mit einer Kombination aus Dampfbremse und diffusionsoffenen Faserdämmstoffen wie Holzfaser, Mineralwolle oder Zellulose. Eingesetzt wird dieses System, wenn eine Austrocknung nach innen erforderlich ist, zum Beispiel bei Fachwerkkonstruktionen oder nichtschlagregendichten Wandkonstruktionen. Zu beachten ist, dass beim Einbau die Außenwand abgetrocknet sein sollte.

Innendämmsystemen mit Dampfbremse

Bei Innendämmsystemen mit Dampfbremse sorgt die Dampfbremse an der Warmseite für eine lückenlose und luftdichte Abschottung. Wasserdampf kann nicht in die Wärmedämmung gelangen. Bei Hartschaumplatten fungieren diese selbst als Dampfbremse, Mineralwollplatten werden mit einer entsprechenden Dampfbremse kombiniert. Die Dämmeigenschaften sind sehr gut, allerdings wird die Außenwand nicht mehr für den Feuchtigkeitsausgleich in den Räumen genutzt. Die Außenwand muss schlagregendicht sein, aufsteigende Feuchte im Mauerwerk muss ausgeschlossen werden.

Insgesamt punktet die Innendämmung durch die einfache Montage, die recht geringen Kosten und die schnelle Erwärmung von Räumen, da die Außenwände nicht mitbeheizt werden müssen. Bei allen Systemen kann es Probleme mit dem Brandschutz geben, die Wohnfläche wird verringert und bei nicht absolut sorgfältiger und fachlich richtiger Ausführung kann die Innendämmung zahlreiche Probleme hinsichtlich Wärmebrücken, Tauwasser und dem fehlenden Feuchteaustausch mit der Wand mit sich bringen.